Um der potenziellen Bedrohung durch Dienste wie Skype Herr zu werden, müssen Mobilfunker sich selbst der VoIP-Technologie annehmen. Denn Blockadeversuche seinen langfristig nicht sinnvoll, so das IKT-Analystenunternehmen Ovum in einem aktuellen Bericht. „VoIP zu blockieren ist wie der Versuch, die Gezeiten zu kontrollieren“, meint Thorsten Claus Chefredakteur von VoIPphones.de im Gespräch mit moobilux. Wenn Mobilfunker sich jetzt wirklich auf VoIP einlassen, könnten sie langfristig profitieren.

Gerade die vermeintliche Gefahr einer potenziellen Netzwerküberlastung darf dabei kein Hindernis sein. „Dieses Risiko ist angesichts des deutlichen Wachstums bei anderen Datendiensten wohl minimal. Videos brauchen beispielsweise viel mehr Bandbreite“, erklärt der Analyst. Wenn überhaupt, könnte VoIP eher ein Opfer hoher Netzbelastung werden, da dann die Sprachqualität sinkt.

VoIP ist für Mobilfunker umungänglich
Skype auf dem iPhone: Widerstand ist zwecklos (Foto: Skype)

Gescheitertes Ankämpfen
Der Widerstand der Mobilfunker gegen VoIP-Dienste ist ein bekanntes Phänomen. In Deutschland hat insbesondere T-Mobile von sich reden gemacht, als man nicht zuletzt wegen Überlastungs-Ängsten eine Skype-Blockade für das iPhone in Aussicht gestellt hat. In weiterer Folge hat das Unternehmen zumindest teilweise eingelenkt und im Sommer 2009 spezielle VoIP-Tarifoptionen präsentiert.

Wie Hartley bestätigt, ist das ein gutes Beispiel für relativ verbreitete Ansätze. So hätten schon die meisten Mobilfunker die eine oder andere Methode ausprobiert, die VoIP-Nutzung zu behindern. Mit speziellen Tarifen wiederum wolle man regulatorische Aufmerksamkeit vermeiden. „Aber solche Zugänge führen letztendlich nur zu Negativ-PR durch Early Adopters, die lautstark Zugang einfordern“, betont der Analyst.

Gemeinsame Zukunft

Zwar ist das Ankämpfen gegen VoIP  Hartley zufolge eine logische erste Reaktion auf die potenzielle Bedrohung klassischer Mobilfunk-Geschäftsmodelle. „Es wäre absurd zu behaupten, die Gefahr sei nicht real“, betont der Analyst. Allerdings sei es wichtig, jetzt den nächsten Schritt zu wagen und die Technologie anzunehmen. Das hätten beispielsweise 3 und Verizon Wireless bereits getan.

Die rechtzeitige Hinwendung zu VoIP verspricht Ovum zufolge durchaus Vorteile. Eine gute Umsetzung könne neue Kunden anlocken, eine Abwanderung verhindern und auch zum Abschluss von Daten-Verträgen ermuntern. „Ohne äußeren Druck hätten sich Betreiber nicht mit VoIP beschäftigt, ehe sie LTE-Netze haben“, betont freilich Harley. Denn dann könnten die Mobilfunker eigene VoIP-Dienste deutlich günstiger als mit heutigen Netzen anbieten.

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Thorsten Claus ist Gründer und Chefredakteur von “moobilux | Connected Mobile” mit mehr als 16 Jahren Berufserfahrung. Der langjährige Journalist beschäftigt sich vor allem mit Themen rund um die mobile Telekommunikation. Als Experte veröffentlichte er in den vergangenen Jahren u. a. Fachbeiträge in “VoIP Compendium”, “Voice Compass” und “t3n”. Als Experte berichtete er in “Deutschland-Radio Wissen”, “Finacial Times Deutschland” und bei “n-tv” über die neuen Trends und Entwicklungen in der Technologie-Branche. Thorsten Claus ist Mitgründer der Pitch-TV-Eventserie „pitchfreunde // Show Your Mobile“ welches sich speziell an Startups mit Fokus Mobile & e-Mobility richtet.

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