Augmented Reality ist Spielzeug für Selbstdarsteller

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Bild: Anwendungsbeispiel AR-Bilderkennung (Roboter Boxkampf)
Virtuelle Roboterkeilerei: AR-Bilderkennung stellt den Boxring (Foto: Qulacomm)

Erweiterte Realität auch Augmented Reality oder auch AR genannt ist gerade auf Smartphones auf dem Vormarsch. „AR hat das Potenzial, die Interaktion auf Smartphones noch einfacher zu machen“, betont Michael Gervautz von Qualcomm.

Beispielsweise kann ein Fingerzeig in der realen Welt ganz natürlich virtuelle Dominosteine umwerfen. Als technische Grundlage setzt Qualcomm nicht einfach nur auf Sensoren wie GPS und digitaler Kompass, sondern auf Bilderkennung mittels „Natural Feature Tracking“. Davon verspricht sich das Unternehmen breite Einsatzmöglichkeiten etwa für Games und Marketing. In Verbindung mit sozialen Netzwerken und Technologien wie Gesichtserkennung kann AR auch neue Möglichkeiten der Selbstdarstellung mithilfe virtueller Accesoires eröffnen.

Erweitertes Ich
Langfristig verspricht AR gerade in Verbindung mit visueller Suche ähnlich Google Goggles viele neue Möglichkeiten. Kommt eine Gesichtserkennung hinzu, könnte ein Smartphone-Nutzer einfach die Kamera auf sein Gegenüber halten und so Informationen aus Facebook und Co abrufen. Diese Idee ist in Sachen Schutz der Privatsphäre zwar problematisch, so Gervautz. „Viele Leute wollen sich selbst darstellen und sollten auch die Möglichkeit haben“, betont er. Der Experte hält Angebote für denkbar, in denen Nutzer ihre AR-Ansicht beispielsweise mit virtuellen Hüten oder fliegenden Textbannern schmücken können.

Aktuell zeigt Gervautz eine Demo-App, die ein Foto eines steinigen Feldes als Unterlage für ein virtuelles Dominospiel erkennt. Mittels Smartphone-Bewegung stellt der AR-Experte Steine auf, ehe er dann mit dem Finger scheinbar ins Leere fährt. „Diese Interaktion in der realen Welt löst das Umfallen der virtuellen Steine aus“, erklärt Gervautz, während auf dem Smartphone-Bildschirm die Dominokette fällt. Die verspielte App zeigt ein typisches AR-Anwendungsfeld. „Games sind jedenfalls ein ganz großer Markt“, betont Gervautz.

Virtuelle Packungsbeilage
Anhand der AR-Umsetzung des Roboterboxkampfes „Rock ‚Em Sock ‚Em“ zeigt der AR-Fachmann, wie dank Bilderkennung verschieden gemusterte Unterlagen unterschiedliche Spielfelder werden. „Wir erkennen besondere Punkte im Bild, die es eindeutig charakterisieren“, erläutert er das Prinzip. Solche Spielfelder können in Zukunft zum Marketing-Gag werden. Anstatt Cornflakes-Schachteln kleine Spielsachen beizupacken, kann die Packung selbst zum AR-Spielbrett werden. Eine ernsthaftere App nach ähnlichem Prinzip könnte ein Bauteil eines Möbelstücks erkennen und darauf eine Bauanleitung bieten.

Für Informations-Apps ortet Gervautz allgemein großes Potzenzial. „Ein Bild im Inneren eines Mietautos könnte zeigen, wie das Navigationsgerät aktiviert wird“, nennt er ein Beispiel. Möglich wäre auch, männlichen Hightech-Geeks im Notfall zu helfen, eine schnöde Waschmaschine zu bedienen. Jedenfalls hofft Qualcomm darauf, dass mit seinem im Vorjahr gestarteten AR-Entwicklerkit zügig eine neue Generation an Anwendungen entsteht, die auf Bilderkennung statt nur Sensordaten für die Interaktion von virtueller und realer Welt setzt.

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