E-Mails verursachen pro Tag 90.000 Tonnen CO2 (Bild: Unsplash/Brett Jordan)
E-Mails verursachen pro Tag 90.000 Tonnen CO2 (Bild: Unsplash/Brett Jordan)

Wer an Videokonferenzen teilnimmt, online einkauft oder sogar Internet-Fitnesskurse zu Hause besucht, statt zu reisen, kann die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren. Doch auch die negativen Umweltauswirkungen des digitalen Lebens sind überraschend hoch, stellt Jessica McLean von der School of Social Sciences der Macquarie University.

Der Energieverbrauch fordert seinen Tribut

„Wir denken nicht oft über die verschiedenen Infrastrukturen nach, die für das Senden einer E-Mail oder das Speichern unserer Fotos erforderlich sind. Denn das geschieht in Rechenzentren, die außer Sichtweite und damit aus dem Sinn sind“, so McLean.

Fast alle erwarteten einfach, dass alles klappt und ständig zu Verfügung steht. Digitale Aktivitäten brächten überraschend hohe Umweltbelastungen mit sich. Neben den Treibhausgasemissionen aufgrund des erheblichen Energieverbrauchs von PCs, Rechenzentren und Kommunikationsgeräten müssen auch der Wasserverbrauch und die Umweltbelastungen durch den Bergbau berücksichtigt werden, die aus dem Verbrauch von Materialien für den Bau und die Unterhaltung der globalen digitalen Infrastruktur benötigt werden.

Zwölf Liter Wasser für einmal Skype

Im Einzelnen schlüsselt McLean auf: Eine einstündige Videokonferenz verursacht die Emission von bis zu einem Kilogramm CO2. Der anteilige Wasserverbrauch etwa für die Kühlung in Rechenzentren liege bei zwölf Litern. Mike Berners-Lee, Spezialist für Kohlenstoff-Fußabdrücke an der Lancaster University Bailrigg, hat berechnet, dass eine kurze E-Mail, die von Telefon zu Telefon über WLAN gesendet wird, 0,3 Gramm CO2 verursacht. Bei einer kurzen E-Mail von Laptop zu Laptop seien es 17 Gramm und bei einer langen E-Mail mit Anhang, die vom Laptop gesendet wird, seien es schon 50 Gramm.
 
Bei täglich mehr als 300 Mrd. E-Mails weltweit kommt da schon einiges zusammen. 90.000 Tonnen, wenn es lauter ganz kurze Botschaften wären. Datenübertragung und Speicherung von Tausenden von Foto-, Audio- und Videodateien, Nachrichten, E-Mails und Dokumenten in einem durchschnittlichen US-Rechenzentrum verursachen jährliche Emissionen von rund 0,2 Tonnen CO2 für jeweils 100 Gigabyte Speicherplatz. Eine Stunde HD-Streaming pro Tag summieren sich auf das Jahr gerechnet auf 160 Kilogramm CO2. Das Training eines großen KI-Modells emittiert 315-mal mehr Kohlenstoff als ein Flug um die Welt, pro Person gerechnet.

„Es ist an der Zeit zu hinterfragen, ob es immer die umweltverträglichste Lösung ist, digital zu sein“, verdeutlicht McLean abschließend.

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Thorsten Claus ist Gründer und Chefredakteur von “moobilux | Connected Mobile” mit mehr als 16 Jahren Berufserfahrung. Der langjährige Journalist beschäftigt sich vor allem mit Themen rund um die mobile Telekommunikation. Als Experte veröffentlichte er in den vergangenen Jahren u. a. Fachbeiträge in “VoIP Compendium”, “Voice Compass” und “t3n”. Als Experte berichtete er in “Deutschland-Radio Wissen”, “Finacial Times Deutschland” und bei “n-tv” über die neuen Trends und Entwicklungen in der Technologie-Branche. Thorsten Claus ist Mitgründer der Pitch-TV-Eventserie „pitchfreunde // Show Your Mobile“ welches sich speziell an Startups mit Fokus Mobile & e-Mobility richtet.

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