Dolmetscher-Smartphone: US-Institut erprobt System für den Militäreinsatz in Afghanistan

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Paschtune und US-Marine: Dank Smartphone im sprachübergreifenden Gespräch (Foto: NIST)
Paschtune und US-Marine: Dank Smartphone im sprachübergreifenden Gespräch (Foto: NIST)

Ein Universal-Kommunikator wie in Star Trek rückt immer näher. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) hat ein Smartphone-System erprobt, das als Dolmetscher fungiert. Die für das US-Militär in Afghanistan gedachte Lösung übersetzt vom Englischen ins Paschtunische und zurück.

Somit können sich ein US-Marine und ein Einheimischer auch ohne menschlichen Simultanübersetzer verständigen. Das System ist im Rahmen eines Forschungsprojekts der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) entstanden. Damit werden bei „Spoken Language Communication and Translation System for Tactical Use“ (TRANSTAC) computerisierte Übersetzungslösungen immer kompakter. Die Technologie an sich ist auch für zivile Anwendungen interessant.

Anwendung:
Der Nutzer spricht praktisch normal in sein Smartphone, um die Lösung zu nutzen. Das gesprochene Wort wird dabei per Spracherkennung in eine Textdatei umgewandelt. Eine Software überträgt diese dann in die Zielsprache, ehe eine Sprachsyntheselösung die Übersetzung verbal ausgibt. Die Performance des Englisch-Paschtunisch-Systems hat das NIST mit insgesamt 25 Testszenarien geprüft, die anhand von Einsatzerfahrung von Militärpersonal entwickelt wurden.

Ein zweisprachiges System ist freilich nicht ganz so flexibel wie der universelle Star-Trek-Kommunikator. Doch ist die Smartphone-Lösung nur die neueste und kompakteste, die aus dem TRANSTAC-Projekt hervorgegangen ist. Das vor vier Jahren vorgestellte IraqComm zur Übersetzung zwischen Englisch und Irakisch-Arabisch war noch eine Kofferlösung, die einen Windows-XP-Rechner erforderte.

Die Ansätze für Computer-Dolmetscher, die im Rahmen von TRANSTAC entstanden sind, sind vielseitig. Forscher an der Carnegie Mellon University haben beispielsweise ein anziehbares System entwickelt, mit dem der Benutzer wie beim Star-Trek-Kommunikator die Hände frei hat. Daran war der Informatikprofessor Alex Waibel beteiligt.

Als Leiter des interuniversitären International Center for Advanced Communication Technologies (InterACT) mit dem Karlsruhe Institute of Technology arbeitet Waibel auch daran, die computerisierte Simultanübersetzung für zivile Anwendungen Realität werden zu lassen. Ein Anwendungsbeispiel ist die Übersetzung von Vorlesungen.

Demo-Video des Smartphone-Übersetzungssystems: Hier

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